Die Mäuseinvasion – Eine Katzengeschichte

Der rote Kater lief über die Straße, steuerte in den Garten des  „Herrschers der Nachbarschaft“ und hoffte auf etwas zu Fressen. Seit gestern Abend hatte er nicht eine Maus mehr gefunden und jetzt hatte er großen Hunger. Er trottete über den Rasen und sah auf der Terasse einen Käfig stehen. „Was ist das für ein Ding“, dachte er und setzte sich erst einmal hin um es zubeobachten. Sein Magen knurrte, er hielt es nicht mehr aus und schlich langsam zum Käfig indem eine Schale mit verführerischen Inhalt stand. Kaum war der rote Kater drin, schnellte blitzartig die Klappe herunter und er war gefangen.
Er jammerte und schrie, aber der Riegel blieb geschlossen.
Die Terrassentür ging auf und einer der Zweibeiner holte ihn ins warme Zimmer. Es wurde dunkel um den Roten. Langsam beruhigte er sich, hatte aber schreckliche Angst. „Was passiert jetzt mit mir“, dachte er und zitterte am ganzen Körper. Seine Pfötchen waren schweißnass, er roch die Angst an sich selbst.
Nach einer langen Weile, viel Geschaukel und merkwürdigen Gerüchen wurde es hell um den roten Kater. Er stand hilflos im Käfig auf einem großen Tisch, das Licht blendete ihn, er sah einen Menschen in weißen Sachen spürte einen Stich im Rücken, an mehr konnte er sich nicht mehr erinnern.

„Komm lass uns Bob noch vorsichtig durch die Katzenklappe schieben“, hörte er eine Stimme leise sagen, „so kann er immer rein und raus wann er möchte, das ist jetzt die einzige Chance.“

„Bob, war das mein Name? War ich damit gemeint?“  Der rote Kater fühlte sich sehr benommen, er spürte Wärme, einen angenehmen Geruch und Zufriedenheit, konnte kaum aufstehen, was war passiert, wo war er?“ Eine Hand glitt langsam über sein Fell und diese feine, süße Stimme flüssterte ihn ihn leise ins Ohr: „Schlaf kleiner Bob, bald geht es Dir besser und Du wirst all Deine Sorgen vergessen, ruh dich aus, hier bist Du sicher.“
Viele Stunden später wachte Bob im Dunkeln auf, es ging ihm viel besser. Er sah sich um und entdeckte die Katzenklappe, kroch hindurch und war draußen in Freiheit.

Joey saß in der Küche am Fenster und sah wie der rote Kater eines Abends über die Straße lief und in die Richtung seines Gartens zusteuerte. Es war bitterkalt und der Boden war schon leicht angefroren. Seine Dosine hantierte mit Schalen und an diversen Tüten mit Katzenfutter herum, Joey hatte Hunger und drängte sie nach seinem Fressen.
„Ja nun Joey, hier ist Dein Futter, ich beeile mich ja schon.“ Sie trug eine Schale zum Futterplatz im Wohnzimmer und Joey machte sich darüber her. Er fraß heute etwas schneller, denn sein Freund warte schon auf ihn, er hatte heute eine Überraschung für den Roten und das mußte er sich mit ansehen. Nach den vielen Stapazen die sein Freund zwei Tage zuvor durchgemacht hatte, wollte Joey ihm was Gutes tun.
Er schlang so schnell er konnte ein paar Happen herunter und verschwand im Keller durch die Klappe nach draußen. „He mein Lieber, hast du Hunger?“ lief er auf ihn zu.
„Ja und wie, habe schon gesehen, dass Du mich versorgst, der halbe Rasen liegt voll Mäuse, na du warst ja fleißig, danke.“ Joey schwoll die Brust: „Ich war den ganzen Tag auf Jagd für dich, sag mal wo treibst du dich rum?“ „Ach,“ meinte der Rote, „du kennst doch gegenüber die Pumpstation, da habe ich ein kleines Plätzchen, nicht sonderlich warm, aber es zieht wenigstens nicht. Ich hatte große Angst herzukommen, aber der Hunger macht es einen auch nicht leichter. Deine Mäuse hebe ich mir als Nachtsnak auf, wenn das in Ordnung geht, jetzt möchte ich erst mal das köstliche Fressen deiner Zweibeiner genießen, es gibt doch was, oder?“ Joey zinkerte ihm zu: „Ich mache uns mal bemerkbar, ich wette sie haben meine Mäuseinvasion schon bemerkt.“ Er klopfte an die Terassentür und ihm wurde geöffnet. Im warmen Wohnzimmer stand tatsächlich schon das Futter für den kleinen Streuner bereit. Joey ging vor und der rote Kater kam ganz langsam nach, ihm waren solche Räume mit Menschen überhaupt nicht geheuer, aber was tut man nicht alles für leckeres Futter.
„Das hat mir gefehlt.“ schmatze er. Joey saß ihm gegenüber und beobachtete ihn. „Lass es Dir schmecken. Wir spielen gleich ein wenig, wenn Du magst. Die beiden Zweibeiner tuen dir nichts, versprochen.“ Der Rote hob den Kopf: „Mir ist das wirklich nicht geheuer, solange die Tür auf ist, mache ich mit, aber nur weil es hier so warm ist.“  Sie spielten ein klein wenig, der Rote ganz vorsichtig, aber dann war es ihm doch zu viel und er verschwand lieber.

Der Winter  wurde immer härter, die Nächte sehr frostig, sogar die Mäuse froren ein, die Joey für Bob auf den Rasen in den Garten legte. „He, Roter, willst Du nicht bei uns bleiben?“ fragte ihn Joey eines Tages. „Ja schon, aber meinst du deine Zweibeiner wollen mich?“ Joey schaute ihn freudig an: „Klar wollen sie dich, komm nachher einfach wieder mit rein, wirst sehen, ich wette du darfst bleiben.“ Bob überlegte: “ Es ist sehr kalt hier draußen, so ein warmes Plätzchen, das hätte schon was.“ So blieb er an dem Abend länger drin und auf einmal schlug die Tür zu. Die Zweibeiner hatten sie einfach zugezogen, er kam nicht mehr raus. Schnell rannte er in den Keller, erinnerte er sich doch an die Katzenklappe, aber auch diese war verschlossen, ihm blieb nichts anderes übrig als drin zu bleiben.
Der Keller sah anders aus, als er ihn in Erinnerung hatte, er wurde komplett umgebaut. Bob hatte sehr große Angst: „Was wenn sie doch nicht so nett waren?“ dachte er.  Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich zu verstecken.

2 Kommentare

  1. Hallo Jana,
    Schön geschrieben hast du das, kann man sich richtig gut rein denken in die Geschichte und sich das vorstellen.
    Danke Dir, freue mich auf mehr.
    Gruß Chrissie

    1. Liebe Chrissie,
      vielen Dank für Dein nettes Lob.
      Jetzt wird es von der “Reihe” erst einmal noch eine Geschichte geben und dann kommen die Kindergeschichten dran. Darauf freue ich mich schon so sehr.
      Liebe Grüße
      Jana

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